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„Frühe Hilfen“ tun jungen Familien gut

KoKi, die Koordinierende Kinderschutzstelle, macht ein unbürokratisches und niederschwelliges Angebot

Es sind Paare, die vor kurzem Eltern geworden sind und aufgrund der für sie neuen Situation Unterstützung benötigen, oder Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes an einer sogenannten postpartalen Depression erkrankt sind, oder Alleinerziehende, denen ihr Alltag mit ihrem kleinen Kind über den Kopf zu wachsen droht. Sie können so genannte „Frühe Hilfen“ erhalten, die sich allgemein an Schwangere, Alleinerziehende und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren wenden. 

Simone Rasper-Sandmann, Renate Prager und Melanie Westermayer von KoKi, der Koordinierende Kinderschutzstelle im Landratsamt Neu-Ulm, planen und steuern unter anderem den Einsatz von Honorarkräften vor Ort. „Unser Angebot ist unbürokratisch, niederschwellig und deshalb schnell sowie freiwillig. Niemand ist verpflichtet, dieses anzunehmen“, betont Melanie Westermayer. „Aber unsere Hilfe tut den jungen Familien einfach gut“, weiß Simone Rasper-Sandmann aus Erfahrung. Sie hat die Koordinierende Kinderschutzstelle, die es seit acht Jahren im Landratsamt Neu-Ulm gibt, mit aufgebaut.

Nicole Butzmann ist eine der Honorarkräfte. Sie bringt die Qualifikation als Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin mit. Ursprünglich war sie als Kinderkrankenschwester tätig und nahm dann an der Weiterbildung der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ teil.

Ein- bis zweimal in der Woche kommt sie jeweils zwei Stunden ins Haus und hilft „da, wo’s hängt“, sagt Butzmann. Putzhilfen oder Zugehfrauen seien die KoKi-Honorarkräfte jedoch nicht, schränkt Koordinatorin Simone Rasper-Sandmann gleich ein. Bei den „Frühen Hilfen“ handele sich vielmehr um „präventiven Kinderschutz“. Den Müttern sollen für und bei der Pflege ihres Kindes beziehungsweise ihrer Kinder qualifizierte Ratschläge und Unterstützung an die Hand gegeben werden.

Zunächst gehe es darum, sich „gegenseitig zu beschnuppern“, sich kennenzulernen und gemeinsam herauszufinden, was die junge Familie braucht, „wo sie hilfsbedürftig ist“, erläutert Nicole Butzmann. Was tut dem Kind gut? Wann ist es Zeit, es zu stillen? Wie bereite ich die Flasche für das Baby zu? Wo lauern Gefahren? Wie reagiert ein Kleinkind in unterschiedlichen Situationen? – Das sind Fragen, auf welche die Frauen nach Antworten suchen. Die KoKi-Honorarkräfte geben sie. „Wir sind so etwas wie Lebensberaterinnen für Mütter mit kleinen Kindern“, verdeutlicht die Expertin.

Die Mütter und die Väter seien in den allermeisten Fällen „sehr dankbar und froh, dass ich für sie da bin“, berichtet Nicole Butzmann. Oft reiche es auch, „nur“ Bestätigung und Sicherheit im Umgang mit dem Kind zu geben. Letztlich gehe es um „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Familien sollen dazu befähigt werden, nach einiger Zeit mit ihrer neuen Lebenssituation selbst zurechtzukommen. Im Durchschnitt dauere die Betreuung ein halbes bis ein ganzes Jahr.

Zurzeit erhalten 15 Familien im Landkreis Neu-Ulm Unterstützung durch eine Honorarkraft. Bei Bedarf stellt KoKi auch Kontakt zu Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Kindertageseinrichtungen, Krabbelgruppen, Psychotherapeuten oder Beratungsstellen her, hilft Anträge jeder Art auszufüllen und vermittelt Familienpaten. Auch zu Bruch gegangene Brücken zum Freundeskreis sind schon wiederaufgebaut worden. „Nichts passiert jedoch ohne Einverständnis der Mütter“, versichert das KoKi-Team. Aber alles sei für die Betreffenden kostenlos.  

In Illertissen und in Neu-Ulm gibt es zudem ein „Baby-Café“ sowie – ohne KoKi-Beteiligung – in Senden den „Mini-Club“. Dort kommen Eltern mit ihren Babys regelmäßig zusammen, tauschen sich aus und finden Seelenverwandte mit gleichen oder ähnlichen Problemen. „Das tut den Frauen und auch den Männern gut“, berichtet Nicole Butzmann, die das „Baby-Café“ in Illertissen gemeinsam mit Volker Witt, dem Stadtjugendpfleger von Illertissen, leitet. Das „Baby-Café“ in Neu-Ulm findet im dortigen Familienzentrum statt. Beate Bader, eine Mitarbeiterin des Familienzentrums, und Barbara Kögel, eine Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, kümmern sich darum.

Neben dieser „Fallarbeit“ leistet die KoKi auch „Netzwerkarbeit“. Viele Stellen und Fachdienste rund um junge Eltern und deren Kleinkinder sind inzwischen zu einem Präventivsystem in puncto „Frühe Hilfen“ vernetzt. Kinderärzte, Hebammen, Kinderkrankenschwestern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erziehungs- und der Schwangerenberatungsstellen, das Personal der Kinderkrippen: Alle miteinander haben ein geschultes Auge  für mögliche „Frühe Hilfen“ und nehmen – sofern die Eltern einverstanden sind – zu der KoKi-Stelle Kontakt auf. Diese klärt dann mit den Eltern, ob und in welcher Form Unterstützung gebraucht und gewünscht wird. Ziel der Unterstützung ist, den „jungen Müttern oder Eltern zu helfen, dass sie wieder auf die Beine kommen“, so formuliert es Simone Rasper-Sandmann.

© Martina Plaschke E-Mail

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