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Gemeinsam für den Natur- und Artenschutz

Schulterschluss von Naturschützern, Landwirten und Behörden

„Naturschutz ist keine Eintagsfliege“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger beim zweiten Koordinierungstreffen „Arten- und Naturschutz“ im Landratsamt. Mit Mut und Tatkraft gelte es, mehr zu tun für den Erhalt der Umwelt. Dies will der Landrat im Konsens mit allen einschlägigen Interessengruppen im Landkreis –  Naturschützern, Landwirten und Behörden – erreichen. In Bayern gelten dafür seit 1. August dieses Jahres neue gesetzliche Rahmenbedingungen, die „relativ direkte und schnelle Auswirkungen auf die Kreisverwaltungsbehörden“ haben werden, informierte Umweltjurist Peter Dieling.

Das Landratsamt selbst will im Landkreis als Vorbild vorangehen. So wird im November 2019 mit einem Aufforstungsprojekt in Unterroth begonnen. Auf 1,7 Hektar sollen 6350 Stieleichen, 1550 Hainbuchen und Winterlinden sowie 400 Sträucher gepflanzt werden. „Die Finanzierung steht“, sagte Michael Angerer, der Fachbereichsleiter „Naturschutz und Landschaftsplanung“.

Im nächsten Jahr soll mit Unterstützung der Bildungsregion an möglichst allen 70 Schulen im Landkreis das Programm „Was kreucht und fleucht an unseren Schulen“ aufgelegt werden. Darüber hinaus wurde bereits damit angefangen, die schulischen Außenanlagen in Sachaufwandsträgerschaft des Landkreises ökologisch umzugestalten. Im Zuge einer Leader-Förderung ist zudem geplant, zwischen dem Kreismustergarten und dem Tierheim in Weißenhorn einen Obstsortenerhaltungsgarten anzulegen, der neben den Früchten auch Nahrung für Bienen und andere Insekten bietet. 

„Wir brauchen ein Umdenken“, forderte Landrat Freudenberger. Der „Wandel in den Köpfen“ soll nicht zuletzt von den Mitgliedern der Koordinierungsgruppe „Natur- und Artenschutz“ ausgehen. Sie verabredeten einige Initiativen:

Das bestehende Biotop-Verbundsystem im Landkreis soll ausgeweitet werden. Als Anknüpfungsfläche empfahl Peter Freitag vom GAU (Gerlenhofener Arbeitskreis Umwelt - Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum) die Biotope rund um den Landgraben und den Plessenteich, wo der GAU in Kooperation mit den Landwirten und der Stadt Neu-Ulm bereits 20 Hektar Blühwiesen angelegt habe.  Michael Angerer versprach, dass dort und in den anderen Biotopgebieten das naturschutzfachliche Engagement verstärkt werde.

Bernd Kurus-Nägele vom BUND Naturschutz berichtete, dass die Stadt Vöhringen in Zusammenarbeit mit dem BUND Blühflächen geschaffen habe. „Wir sind gerne bereit, auch andere Kommunen zu beraten, wo eine Umsetzung sinnvoll ist“, sagte Kurus-Nägele.

Landrat Freudenberger will sich an die anderen schwäbischen Landräte und an die heimischen Bundestagsabgeordneten sowie an Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart wenden, damit die Grünflächen neben den Autobahnen und an den überörtlichen Straßen umweltbewusster und artenverträglicher gepflegt und gemäht werden. Außerdem hat Freudenberger vor, mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben die Frage zu erörtern: „Was kann die Wirtschaft tun?“ Motiviert werden sollen auch die Schulen. Die Fridays-for-Future-Bewegung zeige, dass die junge Generation etwas tun wolle, „und sie könne etwas tun“, sagte der Landrat.

Der Kreisobmann des Neu-Ulmer Bauernverbands, Andreas Wöhrle, stellte die Überlegung zur Diskussion, auf Landkreisebene einen Landschaftspflegeverband zu gründen. Bislang pflegt der Landkreis seine Biotope in Eigenregie und habe damit gute Erfahrungen gemacht, entgegnete Michael Angerer. Für die Kommunen sei jedoch eine Zusammenarbeit mit dem Maschinenring im Landkreis Günzburg durchaus eine Option.

Was die Mähzurückhaltung bei Grünflächen angeht, regten sich kritische Stimmen. Kreisbäuerin Christiane Ade zeigte Probleme für die Landwirtschaft auf: Wenn man die Blühwiesen zu lange stehen lasse, wüchsen stachelige Disteln und mitunter sogar das giftige Jakobskreuzkraut. Das Heu sei dann als Viehfutter nicht mehr geeignet. Problematisch, so Kreisobmann Wöhrle, sei auch die Entsorgung von Schnittgut-Kompost, der vielfach durch achtlos am Straßenrand weggeworfenen Müll verunreinigt sei.

Nach zweistündiger konstruktiver Arbeitssitzung bedankte sich Landrat Freudenberger bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die „guten Ideen“, die auch diesmal gemeinsam zu einem „sehr wichtigen Zukunftsthema“ gesammelt wurden, und versprach: „Wir bleiben dran!“ Ein neuer Termin für das nächste Treffen wurde für Anfang 2020 verabredet.

Bieten Nahrung für Insekten: Blühstreifen im Landkreis Neu-Ulm. Fotos: Landratsamt Neu-Ulm/Kerstin Weidner

© Martina Herrmann E-Mail

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