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„In Bayern gehen die Uhren anders – aber auch richtig!“

Stadt Illertissen und Landkreis Neu-Ulm lassen den Freistaat hochleben – Festakt und Open-Air-Konzert gefallen

„München ist die Weltstadt mit Herz, aber wir, der Landkreis Neu-Ulm, sind das Tor zu Bayern“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger in der heimischen Stadt, die am längsten bayerisch ist. Wie Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen wissen ließ, verkauften die bankrotten Vöhlin am 20. Juli 1756 ihre Ländereien an der Iller an den bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph aus dem Herrschergeschlecht der Wittelsbacher. Just am 262. Jahrestag dieses geschichtsträchtigen Ereignisses ließen etwa 130 Gäste auf Einladung von Stadt und Landkreis in der  Schranne Bayern hochleben, das vor 100 Jahren Freistaat und vor 200 Jahren Verfassungsstaat geworden ist.

Die damit verbundenen Werte und Bürgerrechte seien keine Selbstverständlichkeit, sondern müssten stets aufs Neue verteidigt werden, rief der Landrat ins Bewusstsein und hob auf die aktuelle politische Großwetterlage ab. Uns allen stelle sich dabei die Frage: Welche Heimat wollen wir?

Festrednerin Dr. Beate Merk, Bayerische Staatsministerin a. D. und Landtagsabgeordnete, zeichnete das Bild eines „freien, selbstbestimmten und weltoffenen Bayerns“, das einen Aufschwung zum „Macherstaat“ genommen habe, „der seines Gleichen sucht“.

Die „Liberalitas Bavariae“, so Notker Wolf, ehemals Erzabt von St. Ottilien und Abtprimas des Benediktiner-Ordens, finde ihren Ausdruck in der Maxime „leben und leben lassen“. Das sei indes kein „Laissez-faire“, denn: „Wir Bayern wissen, wo’s langgeht.“ Ja, „in Bayern gehen die Uhren anders“, räumte der weitgereiste Gottesmann ein, „aber auch richtig!“ In erster Linie fühle er sich aber als Allgäuer und dann erst als Bayer, bekannte der eingefleischte Bad Grönenbacher im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema „Wo Bayern schwäbisch schwätzt“.  

Eine solche „doppelte Staatsbürgerschaft“ lehnt der Designer des neuen Illertisser Heimatmuseums, Andreas Koop, kategorisch ab. Auf die Frage von Moderator Ronald Hinzpeter, dem Redaktionsleiter der Illertisser Zeitung, ob er ein Schwabe sei, brach es aus ihm heraus: „Um Gottes willen!“ Er sei Allgäuer - aber nicht stolz darauf, denn für seinen Geburtsort könne er nichts. Am Begriff „stolz“ störe ihn zudem, dass er oft benutzt werde, um andere herabzuwürdigen.

Probleme mit plumper Heimattümelei hat auch Filmemacherin Lisa Miller aus Bubenhausen bei Weißenhorn, deren aufsehenerregender Heimatfilm der anderen Art („Landrauschen“) gerade in 56 Kinos angelaufen ist. Heimat, so sagte sie, sei für sie weniger ein Ort als ein Lebensgefühl, das mit Menschen verbunden sei, die sie möge und die sie mögen.

Dr. Peter Faßl, als Bezirksheimatpfleger „Berufsschwabe“, sieht das ähnlich. In unserer Zeit der Globalisierung und Individualisierung sehnten sich immer mehr Menschen nach einem Ruhepol in ihrem Leben, „einem Ort der Vertrautheit, wo man sich zu Hause fühlt“. Dies sei weniger ein geografischer Ort, sondern meist da, wo man mit Familie und Freunden zusammen sein könne.

Zusammen, das war Paul Breitner viele Jahre mit Uli Hoeneß, seinem Zimmerpartner in diversen Schüler- und Jugendauswahlmannschaften, beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Dass sie sich auf Anhieb so gut verstanden haben, das führte Breitner darauf zurück, dass „wir so verschieden waren“. Das galt auch für die Herkunft: Breitner Oberbayer aus Kolbermoor, Hoeneß Schwabe aus Ulm. Ihren jeweiligen Dialekt indes negierten die beiden, so lautete ihre frühe Übereinkunft.

Nein, mit dem Schwäbischen kann er so recht nichts anfangen, gab Breitner unumwunden zu. Überhaupt bestätigte er seinen Ruf als Mann der unbequemen Wahrheiten. „Macht euch zu Westbayern!“, forderte er die Schwaben auf, wie einst IHK-Präsident Andreas Kopton, der deswegen viel gescholten wurde. Breitner erläuterte, dass er „niemand seine schwäbische Identität nehmen“ wolle, aber im internationalen Wirtschaftsverkehr kenne kaum jemand Schwaben, sehr wohl aber Bayern: „Made in Germany bedeutet für 90 Prozent made in Bavaria“, so Breitner.

Und der FC Augsburg? Kann wenigstens er an der oberbayerischen Vorherrschaft kratzen und auch mal Deutscher Meister werden? „Vergesst es!“, erstickte der frühere Kapitän des FC Bayern jegliche schwäbische Hoffnung gleich im Keim. Die Münchner von der Säbener Straße seien wirtschaftlich um Welten voraus. Vereine wie Freiburg, Nürnberg oder Augsburg hätten da keine Chance.

Dennoch brauchen wir Schwaben uns vor niemand zu verstecken. Das bewiesen nicht zuletzt die musikalischen Darbietungen während des Festakts: Die drei Sängerinnen des „Jedesheimer Dreigesangs“ präsentierten schwäbisches Liedgut. Dario Glanz (Posaune) und Magnus Schneider (Klavier) von der Musikschule Dreiklang bildeten die musikalische Klammer des Abends: Nach einem Instrumentalstück zur Einleitung spielten sie zum Schluss die Bayernhymne zum Mitsingen: „Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland!“

Wie der Festakt gefiel auch das Open-Air-Konzert „Bayern Sound“ auf dem ehemaligen BayWa-Gelände in Illertissen.  Die Band „Zwoa Bier“ mixte ihre lebensnahen Mundart-Texte mit einfacher, emotionaler und authentischer Rockmusik. „Fättes Blech“ kamen im Stil amerikanischer Streetbands daher. Sie performten Hip-Hop, Rap, Reggae, Pop, Jazz und Funk mit Blasinstrumenten. „The Heimatdamisch“ um Bananafishbones-Schlagzeuger Florian Rein sind eine Acht-Mann-Kapelle in klassischer Besetzung mit Tuba, Akkordeon, Bläsern, Gitarre und Schlagzeug. Sie schreckten vor keiner Neuinterpretation bekannter Pop- und Rock-Hits zurück.

Tradition und Moderne im Einklang – auch das ist Bayern. Das Organisationsteam um Walter Wörtz (Landkreis) und Susanne Schewetzky (Stadt) verstand es hervorragend, die weiß-blaue Harmonie von Früher, Heute und Morgen im Festprogramm abzubilden und heimste dafür viel Lob ein.

Foto: Kerstin Weidner (Landratsamt Neu-Ulm)

© Martina Herrmann E-Mail

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