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Klimaschutz hat im Landkreis Neu-Ulm höchste Priorität

Nutzung der Abwärme des Müllheizkraftwerkes ist laut Landrat Thorsten Freudenberger ein „Leuchtturmprojekt“

Der Landkreis Neu-Ulm hat sich zum Ziel gesetzt, Vorbildregion im Klimaschutz zu werden. In einem ersten Schritt verabschiedete der Kreistag im Jahr 2012 ein Integriertes Klimaschutzkonzept. Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Handlungsfeld „Verkehr“. Das Mobilitätskonzept umfasst 30 Maßnahmen, mit deren Umsetzung heuer begonnen worden ist.

Erste Erfolge lassen aufhorchen: So ist der Landkreis Neu-Ulm im November 2017 mit dem European Energy Award (eea; Europäischer Energiepreis) ausgezeichnet worden. Damit würdigte das bayerische Umweltministerium die bisherigen Anstrengungen des westschwäbischen Landkreises für den Klimaschutz. „Die hohe Auszeichnung mit dem European Energy Award ist für uns Ansporn, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, bekräftigt Landrat Thorsten Freudenberger (CSU).

Zwei Klimaschutzkonzepte als Planungsgrundlagen

Der Landkreis Neu-Ulm verfügt über ein Klimaschutz-Leitbild mit Aussagen zu Einsparpotenzialen, zur Steigerung der Energieeffizienz und zu erneuerbaren Energien. 2011 und 2012 wurde unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein Integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet. Darauf aufbauend folgte  in den Jahren 2014 bis 2016 nach der gleichen basisdemokratischen Methode ein Klimaschutz-Teilkonzept „Mobilität“, welches alle relevanten Verkehrsarten berücksichtigt.

Zur Verbesserung der Energieeffizienz und zum Klimaschutz sind in die Bauverfahren umfangreiche Beratungen aufgenommen worden. Die Bauherren können sich bei einer neutralen Beratungsstelle informieren über: energieeffiziente Bestands- und Neubauten, gesetzliche Bestimmungen, Förderprogramme, Bauökologie, Prüf- und Qualitätsverfahren, Wärmedämmung sowie technische Anlagen.

Einsparungen bei kreiseigenen Gebäuden

Bei der Modernisierung kreiseigener Gebäude sind hohe Energiestandards umgesetzt worden. Ein Vorzeigeprojekt ist die Sanierung und die Erweiterung des Illertal-Gymnasiums Vöhringen (2014 bis 2017). Das Gebäude aus den 1980er-Jahren wurde im laufenden Unterrichtsbetrieb saniert und hat jetzt Passivhausstandard. Mit einer Wärmepumpe wird die Schule über Heiz- und Kühldecken sowohl beheizt als auch im Sommer gekühlt. Bei der Sanierung und Erweiterung wurde auf Nachhaltigkeit besonders Wert gelegt.

Das Illertal-Gymnasium und andere kreiseigene Gebäude sind einem kommunalen Energiemanagement (Energiespar-Contracting) unterworfen. Zudem nutzt der Landkreis die eigenen Dachflächen zur Installation und zum Betrieb von Photovoltaikanlagen. Diese produzieren rund 16,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs der Liegenschaften des Landkreises. Der Anteil an erneuerbaren Energien konnte kontinuierlich ausgebaut werden. Bei der Wärmeversorgung liegt er mittlerweile bei rund 20 Prozent. Eingekauft wird seit einigen Jahren nur noch Ökostrom. Die CO2-Emissionen der kreiseigenen Gebäude sind rückläufig. 

Mobilität klimafreundlich gestalten

Die Aktivitäten reichen von der Verbesserung des Radwegenetzes und des ÖPNV-Angebotes über die Planung von Schnittstellen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern bis hin zum umweltfreundlichen Mobilitätsverhalten der öffentlichen Verwaltung einschließlich des kreiseigenen Fuhrparks. Neu angeschaffte Elektrofahrräder und ein Elektroauto können für Dienstfahrten genutzt werden. Durch Neu- und Ausbauten werden immer mehr der nur noch wenigen Lücken im Radwegenetz geschlossen. Ein hoch bewertetes Angebot im Landkreis ist der „Pfiffibus“, ein Rufbussystem, das inzwischen flächendeckend angeboten wird. Mit Hilfe des Nahverkehrsplans und der Förderung des nichtmotorisierten Individualverkehrs wurden Konzepte zur Senkung des Straßenverkehrsaufkommens erarbeitet.

Vorbild Verwaltung

Zur Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes ist im Mai 2014 Klimaschutzmanager Florian Drollinger eingestellt worden. Ab dem kommenden Jahr wird ihm eine zweite Klimaschutz-Fachkraft zur Seite stehen. Das Einstellungsverfahren läuft.  Bei Beschaffungen von Waren achten die Verantwortlichen auf Umweltzeichen und effiziente Geräte. In Gebäuden wurden LED-Lampen und tageslichtabhängige Steuerungen eingebaut.

Austausch mit der Wirtschaft

Ein großes Potenzial bei der Energieeffizienz gilt es, bei der Wirtschaft zu mobilisieren. Klimaschutzmanager Drollinger initiierte ein „Betriebliches Energieeffizienznetzwerk“, einschließlich eines betrieblichen Beratungsangebotes für Unternehmen. Das Netzwerk trifft sich dreimal jährlich zum Informations- und Erfahrungsaustausch. 

Mehr als 40 Schulklassen wurden bisher über das Projekt „Energiesparfüchse“ fürs Energiesparen und den Klimaschutz sensibilisiert. Über den Modernisierungswettbewerb „Energiesparmeister“ fördert der Landkreis vorbildliche Energie- und Klimaschutzvorhaben in den Zielgruppen Privathaushalte, Kommunen und Unternehmen.

Paradeprojekt: Fernwärmenetz in Weißenhorn

Im Oktober 2017 ist in Weißenhorn ein Fernwärmenetz in Betrieb gegangen, das sich aus der - zuvor größtenteils ungenutzten - Abwärme der kreiseigenen Müllverbrennungsanlage speist. Landrat Freudenberger spricht von einem „Leuchtturmprojekt“, das Ökonomie und Ökologie überzeugend kombiniere. Nach mehreren gescheiterten Anläufen in den vergangenen Jahrzehnten ist damit der große Wurf gelungen: Das Müllheizkraftwerk (MHKW) im Weißenhorner Gewerbegebiet „Eschach“ versorgt über ein Fernwärmenetz einen Teil der Fuggerstadt. Bauabschnitt (BA) 1 ist im Juli dieses Jahres eingeweiht worden.

Die Arbeiten an Bauabschnitt 2 sind auf der Zielgeraden: Ende 2018 sollen sie abgeschlossen sein. Dann werden um die 60 Gebäude mit der Abwärme aus der Müllverbrennung beheizt: private Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Betriebsstätten von Firmen wie PERI. Der „Global Player“ aus Weißenhorn stellt zudem die Ausfallversorgung sicher, wenn die Abwärme des MHKWs – etwa wegen Revision – nicht zur Verfügung steht. Weitere Liegenschaften sollen angeschlossen werden. 

Der Landkreis Neu-Ulm und die Stadt Weißenhorn, die jeweils mit 50 Prozent an der Trägergesellschaft Fernwärme Weißenhorn (FWW) GmbH beteiligt sind, investierten insgesamt knapp 13 Millionen Euro in die Bauabschnitte 1 und 2. Erörtert wird derzeit, ob man 2019 Bauabschnitt 3 folgen lassen soll: die Fernwärmeversorgung der Weißenhorner Innenstadt.

Schon jetzt steht für Landrat Thorsten Freudenberger fest: „Mit dem größten klimaschutzpolitischen Projekt in der Geschichte des Landkreises Neu-Ulm machen wir einen Quantensprung beim Klimaschutz und bei der ressourcensparenden Energieversorgung.“ BA 1 und 2 zusammengenommen, führe die Fernwärmeversorgung zu einer Einsparung von 2.500 Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspreche circa 740.000 Liter Heizöl.

Trotz der weitreichenden und zum Teil komplizierten Verlegung der Fernwärmeleitungen ist es gelungen, sowohl zeitlich als auch kostenmäßig im geplanten Rahmen zu bleiben. Dies ist auch das Verdienst des leitenden Ingenieurbüros Stefan Sendl aus Peißenberg.

Markus Hertel, der als Angestellter des Augsburger Umweltinstituts bifa den Aufbau des Fernwärmenetzes mit großem Elan und Sachverstand projektierte und koordinierte, hat am 1. September 2018 die Geschäftsführung der FWW GmbH übernommen.   

Hertel hat sich der dringlichen Mission zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen verschrieben. Dass wir Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind, daran hegt Hertels ehemaliger Chef bei bifa, Professor Dr. Wolfgang Rommel, keinen Zweifel. Bei der Fernwärmeversorgung mit der Abwärme des MKHW in Weißenhorn handelt es sich ihm zufolge um „eine ideale Möglichkeit, sowieso vorhandene Energie sinnvoll zu nutzen“. Mit solcher „Eh-da-Wärme“ könnte der „größtmögliche ökologische Effekt“ erzielt werden, so Professor Rommel.

Im optimalen Fall – also bei der bestmöglichen Auslastung des Fernwärmenetzes – können bis zu 12.650 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. Das entspricht dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß pro Jahr durchs Heizen von 1.500 Einfamilienhäusern, hat Markus Hertel errechnet. Neben diesen erheblichen Einsparungen des klimaschädlichen Treibhausgases reduziert die Fernwärmeversorgung auch die Feinstaubbelastung in Weißenhorn.

Jeder Einzelne ist gefordert

Klimaschutz gehe jede Bürgerin und jeden Bürger an, stellt Professor Rommel heraus und appelliert an alle Weißenhornerinnen und Weißenhorner, ihr Haus beziehungsweise ihre Wohnung ans von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) betriebene neue Fernwärmenetz anschließen zu lassen: „Tun Sie sich selbst, Ihren Kindern und Ihren Enkeln etwas Gutes!“

Landrat Thorsten Freudenberger sieht den Landkreis auf dem richtigen Weg: „Die Fülle an Maßnahmen zeigt, dass wir es mit dem Energiesparen und dem Klimaschutz ernst meinen.“

(Erschienen in: Landkreistag kompakt – Mitteilungen des Bayerischen Landkreistages, Ausgabe Nr. 1/2019)

https://www.bay-landkreistag.de/Publikationen/LandkreistagKOMPAKT.aspx

© Martina Plaschke E-Mail

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