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Qualität statt „ex und hopp“

Landrat Freudenberger besichtigte das mittelständische Unternehmen Illerplastic, das Kunststofffenster herstellt

Als Material, aus dem Wegwerfartikel sind, ist es ein Auslaufmodell. Als Werkstoff in Handwerk und Industrie dagegen weist Plastik viele Vorteile auf und wird deshalb weiter gebraucht. Die Illertisser Firma Illerplastic zum Beispiel stellt Kunststoffprofile her, die sie in Fenster, Türen, Wintergärten, Glasfassaden und Vordächer weiterverarbeitet oder als Bauteile an die Industrie liefert. Landrat Thorsten Freudenberger und Simon Schrag, der Wirtschaftsbeauftragte des Landratsamtes Neu-Ulm, folgten jetzt einer Einladung von Inhaber und Geschäftsführer Armin Oßwald zur Betriebsbesichtigung.

Dessen Vater Heinrich Oßwald schuf 1962 in Illertissen-Au die Keimzelle der Unternehmensgruppe, die heute rund 300 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von etwa 32 Millionen Euro erwirtschaftet. Aus der anfänglichen Schreinerei für Möbel, Fenster und Türen aus Holz wurde bald Illerplastic. Hellsichtig erkannte Heinrich Oßwald früh, dass im Fenster- und Türenbau Kunststoff Holz den Rang abläuft. Bereits 1964 nahm er einen Extruder in Betrieb, mit dem er eines der ersten Profilsysteme für Fenster aus Kunststoff entwickelte und produzierte. Neben dem Stammsitz in Au gründete Heinrich Oßwald in der Wendezeit ein Zweigwerk in Finsterwalde bei Berlin.

Darauf baute sein Sohn Armin auf. In Fensterwalde arbeiten gegenwärtig etwa 50 Beschäftigte, circa 250 sind im Landkreis Neu-Ulm tätig: in Au und im neuen Produktionsstandort im Illertisser Gewerbegebiet „Pionierstraße“.

Oßwald führt seine Besucher durch die 5000 Quadratmeter große Fertigungshalle. Sie ist hell vom hereinscheinenden Sonnenlicht, besenrein und durchautomatisiert. Etwa 40 Männer bedienen dort moderne Produktionsanlagen und verrichten ergänzende Handarbeiten. Einer der Arbeiter ist Debish Mezele aus Eritrea. Der 31-jährige Flüchtling steht seit acht Monaten bei Illerplastic in Lohn und Brot. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, sagt Produktionsleiter Marc Gergeni.  

Etwa 1000 Kunststofffenster laufen hier Woche für Woche vom Band. „Das entspricht der Anzahl von Fenstern für 50 bis 70 Einfamilienhäuser pro Woche“, verdeutlicht Oßwald. Weit über 80 Prozent der Fenster seien dreifachverglast und wiesen den höchsten Isolationswert auf. Der Trend gehe zu immer größeren Fenstern. „Moderne Häuser sind lichtdurchflutet“, erklärt der Gastgeber.

Moderne Häuser sind meist auch umweltfreundlich. Gleiches gilt für die neue Produktionshalle von Illerplastic. Wärme bezieht sie über eine Grundwasserwärmepumpe. Außerdem wird die Abwärme der Druckluft-Kompressoren in die Heizung eingespeist. „Über eine Photovoltaikanlage erzeugen wir auch 60 Prozent des Stroms selbst, den wir verbrauchen“, berichtet der auch sozial und kommunalpolitisch engagierte Firmeninhaber nicht ohne Stolz.

Selbstversorgung ist Teil der Unternehmensphilosophie – auch im Kundengeschäft: „Beratung, Verkauf, Produktion und Montage – alles gibt es bei uns aus einer Hand“, berichtet Oßwald. Die Kunststoffprofile der eigenen Bauelemente wie auch die Aluminiumschalen, die darauf auf Kundenwunsch außen angebracht werden, entwickelt und fertigt Illerplastic selbst. Die Monteure will der Chef demnächst alle mit Tablets ausstatten, Handys haben sie längst. So sollen sie Verbindung zu einem Leitstand halten, der auftretende Probleme analysiert und die bestmögliche Lösung für den Kunden zurückübermittelt.

Auch in der unternehmenseigenen Entwicklungsabteilung schreitet die Digitalisierung voran: „Seit einiger Zeit setzen wir zur Konstruktion von Modellen und Matrizen einen 3-D-Drucker ein“, informiert Oßwald. Illerplastic legt Wert auf möglichst viele Alleinstellungsmerkmale. Auch für Langlebigkeit steht die heimische Marke. „Unsere einzigartige Ersatzteilgarantie gewähren wir über einen Zeitraum von 30 Jahren“, informiert Oßwald.

Nicht nur vor Wind und Wetter schützen Illerplastic-Fenster, auch der Schutz vor Einbrechern und der Privatsphäre liefert der Mittelständler aus Illertissen auf Wunsch mit. „Wir schaffen dem Kunden ein hohes Sicherheitsniveau für einen relativ geringen Aufpreis“, sagt der Unternehmer.

Das „Plastic“ im Firmenname steht also überhaupt nicht für „ex und hopp“. Im Gegenteil, versichert Oßwald: „Wir produzieren Qualität.“ Landrat Thorsten Freudenberger war beeindruckt: „Unser Landkreis hat eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Illerplastic gehört zu den Unternehmen, denen wir unsere Stärke verdanken.“

© Martina Plaschke E-Mail

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