• Unter welchen Voraussetzungen können Asylbewerber eine Ausbildung oder ein betriebliches Praktikum absolvieren?

    Einem Asylbewerber und Geduldeten kann auf Grundlage von § 61 Abs. 2 AsylG bereits nach drei Monaten Aufenthalt eine Beschäftigungserlaubnis erteilt werden, wenn die Bundesagentur für Arbeit zugestimmt hat oder durch Rechtsverordnung bestimmt ist, dass die Ausübung ohne Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit zulässig ist.

    Keiner Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit bedarf die Erteilung einer Erlaubnis zur Ausübung

    1. eines Praktikums nach § 22 Absatz 1 Satz 2 Nrn. 1 bis 4 des Mindestlohngesetzes,

    2. einer Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf,

    3. einer Beschäftigung nach § 2 Abs. 1, § 3 Nrn. 1 bis 3, § 5, § 14 Abs. 1, § 15 Nrn. 2, § 22 Nrn. 4 + 5 und § 23 BeschV.

    4. einer Beschäftigung von Ehegatten, Lebenspartnern, Verwandten und Verschwägerten ersten Grades eines Arbeitgebers in dessen Betrieb, wenn der Arbeitgeber mit diesen in häuslicher Gemeinschaft lebt oder

    5. jeder Beschäftigung nach einem ununterbrochen vierjährigen erlaubten, geduldeten oder gestatteten Aufenthalt im Bundesgebiet.

    Bei allen betrieblichen Praktika mit Ausnahme von berufsschulbegleitenden Praktika handelt es sich um erlaubnispflichtige Beschäftigungen, für welche die Asylbewerber und Geduldeten die Zustimmung der Ausländerbehörde und im Regelfall auch die Zustimmung der Agentur für Arbeit benötigen.

    Erlaubnisfreiheit von berufsschulbegleitenden Praktika

    Jugendliche Asylbewerber und Geduldete, die noch der Berufsschulpflicht unterliegen, bedürfen für die Ausübung von berufsschulbegleitenden Praktika keine Genehmigung durch die Ausländerbehörde oder die Agentur für Arbeit.

    Die im Rahmen der Berufsschulpflicht vorgesehenen Praktika müssen für die Erlaubnisfreiheit folgende Voraussetzungen erfüllen:

    • Die Vertragsbeziehung besteht nur zwischen Schule und Betrieb, der Schüler erhält vom Betrieb keine Vergütung.

    • Die Tätigkeit wird lediglich bis zu drei Monate innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten ausgeübt (§30 Nr. 2 BeschV).

    Für duale Berufsausbildungen gilt: Bei dem betrieblichen Teil handelt es sich im Sinne des Aufenthaltsgesetzes und der Beschäftigungsverordnung um eine erlaubnispflichtige Beschäftigung, der die Ausländerbehörde im Vorfeld zustimmen muss.