BCKategorie 13.05.2015 11:57:52 Uhr

Das frühere Archäologische Museum Neu-Ulm

Plakat der Viereckschanzen-Ausstellung 2007

Das Archäologische Museum Neu-Ulm war ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung in München und zugleich das größte Museum im Landkreis Neu-Ulm. Die Zusammenarbeit der Kreisarchäologie mit der Direktion der Staatssammlung18 und die Aufgeschlossenheit der Politik für die Archäologie führte zum Bau dieses Museums durch die Stadt Neu-Ulm, mit dem Stadt und Landkreis Neu-Ulm die Bodenfunde aus unserer Region einem breiten Publikum zugänglich machen konnten.

Die Sammlung setzte sich aus archäologischen Funden der Kreisarchäologie, Beständen des ehemaligen Heimatmuseums Neu-Ulm sowie aus dem Bestand der Prähistorischen Staatssammlung zusammen. Zum 125-jährigen Stadtjubiläum Neu-Ulms wurde der neue Bau mit über 750 m2 Ausstellungsfläche im Dezember 1994 der Öffentlichkeit übergeben. Unterhalt, Personalkosten und Kapitalaufwendungen für dieses Haus, welches in die fachliche Betreuung der Archäologischen Staatssammlung übergeben wurde, betrugen für den Landkreis Neu-Ulm anteilmäßig jährlich ca. 230.000 €.

Die Eröffnungsausstellung des Museums „Orient und Okzident – Kulturelle Wurzeln Alteuropas 7000 bis 15 v. Chr.“ wurde im Februar 1998 durch die von Dr. Andrea Lorentzen von der Archäologischen Staatssammlung in Zusammenarbeit mit dem Kreisarchäologen konzipierte Dauerausstellung „Tradition und Technik“ abgelöst. Den zugehörigen Museumsführer19 verfasste Frau Dr. Lorentzen.

Schwerpunkt der Ausstellung waren der Mensch und seine Umwelt von der Altsteinzeit bis in das Frühmittelalter in der Region Oberschwaben mit besonderem Augenmerk auf die Darstellung prähistorischer Materialien und Technologien aus den Bereichen Stein-, Holz-, Bein-, Metall-, Keramik- und Glasbearbeitung. Naturgetreue, zum Teil lebensgroße Rekonstruktionen, Modelle und Figuren ergänzten die zahlreich ausgestellten archäologischen Funde.

Den Grundstock der Ausstellungsstücke bildeten Altfunde aus dem Landkreis Neu-Ulm und auch Fundstücke aus Bayerisch Schwaben. Der Großteil der gezeigten Fundstücke, Darstellungen und Rekonstruktionen geht jedoch auf Grabungen durch die Kreisarchäologie in den letzten 20 Jahren zurück. Mit dem architektonisch sehr gelungenen Bauwerk und der museumsdidaktisch zeitgemäß aufbereiteten Dauerausstellung wurde eine Einrichtung geschaffen, die eine wichtige Bereicherung der Neu-Ulmer Kulturlandschaft darstellte und besonders für viele, auch auswärtige Schulklassen20, Geschichte verständlich und lebendig werden ließ. Einer der Hauptanziehungspunkte des Museums war die Rekonstruktion des hallstattzeitlichen Fürstengrabes von Vöhringen-Illerberg mit wertvollen Grabbeigaben.

Im Jahre 2002 wurde im Archäologischen Museum Neu-Ulm eine Sonderausstellung der Kreisarchäologie anlässlich der 750 Jahrfeier der Pfarrkirche St. Laurentius Thalfingen (erste urkundl. Nennung) und der Herausgabe des Buches „St. Laurentius Thalfingen“ veranstaltet.

Von Januar bis März 2007 zeigte die Kreisarchäologie eine Sonderausstellung, übernommen vom Archäologischen Museum der Stadt Kelheim und ergänzt durch eigene Fundstücke und Tafeln, mit dem Titel „VIERECKSCHANZEN – Rätselhafte Bauwerke der Kelten“.

Nach den hervorragend besuchten Begleitvorträgen21 und bei Führungen wurde von Besuchern häufig der Wunsch nach weiterer Visualisierung geäußert. Das daraufhin genau nach den Befundplänen im Maßstab 1:100 gefertigte Modell fand viele interessierte Betrachter.

Zu Beginn der Sommerferien 2008 schloss das Archäologische Museum Neu-Ulm seine Pforten, nachdem die Räumlichkeiten nun durch die Stadt Neu-Ulm für ein Kindermuseum, die Präsentation des Münchner Malers Geitlinger sowie für die Ausstellung einer Kleinskulpturen-Sammlung genutzt werden.

Derzeit wird für die archäologische Sammlung ein neuer Museumsstandort gesucht. Dann soll in einer Sonderaustellung ein besonderer Fund des Jahres 200322, ein Nersinger Münzschatz, der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bis ein neuer Museumsstandort gefunden ist, werden die wertvollen Sammlungs- und Depotbestände der Kreisarchäologie zwischengelagert.

Wesentliche Unterstützung der archäologischen Arbeit leistet der 2007 gegründete Verein „Freunde des Archäologischen Museums Neu-Ulm und der Archäologie im Landkreis Neu-Ulm e. V.“23.

Anmerkungen:

18 Ein ganz besonderer Dank gilt dem früheren Leiter der Prähistorischen Staatssammlung Herrn Dr. Hermann Dannheimer, der die Idee des Kreisarchäologen unterstützte und dessen großer persönlicher Einsatz das Zweigmuseum Neu-Ulm letztlich möglich machte.
19 Lorentzen A., 2001: Archäologisches Museum Neu-Ulm – Technik und Tradition.
20 Allein Herr Eberhard Bühler führte als sachkundiger Mitarbeiter der Kreisarchäologie seit Eröffnung der Dauerausstellung annähernd 10.000 Besucher, die sich auf über 380 Gruppen, zumeist Schulklassen, verteilten. Abgesehen von Schulklassen aus dem Landkreis Neu-Ulm und aus Ulm kamen auch Klassen aus den Kreisen Ober-, Unter- und Ostallgäu, aus dem Günzburger, Dillinger und Donauwörther Bereich, aus Augsburg, Ansbach, München, Salzburg, aus Friedrichshafen, Göppingen, Giengen, Heidenheim, Esslingen, Sigmaringen, Heidelberg, Pirmasens sowie aus der Neu-Ulmer Partnerstadt Bois Colombe, aus Russland und aus den USA. Unberücksichtigt sind bei diesen Angaben die Führungen durch den Kreisarchäologen.
21 W. Irlinger, VIERECKSCHANZEN – Rätselhafte Bauwerke der Kelten; R. Ambs: Die keltische Viereckschanze von Beuren im Lkr. Neu-Ulm – Adelshof und Kultanlage; G. Wieland: Götter im Brunnen - Die keltische Viereckschanze von Fellbach-Schmiden.
22 Der im Sommer 2003 von Eberhard Bühler beim Abbruch einer alten Hofstelle geborgene Münzschatz wurde in der Archäologischen Staatssammlung gereinigt und konserviert. Die Bestimmung der ca. 2.200 Silbermünzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert erfolgte durch den Numismatiker der Staatssammlung Dr. Bernward Ziegaus.
23 Am 29. November 2007 wurde der Verein der „Freunde des Archäologischen Museums Neu-Ulm und der Archäologie im Landkreis Neu-Ulm e. V.“ gegründet; er zählt inzwischen über 60 Mitglieder, darunter 3 Gemeinden.

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