Beschäftigung und Ausbildung

  • Berufliche Anerkennung ausländischer Abschlüsse

    Mit Inkrafttreten des Bundesanerkennungsgesetzes BQFG können Ausländer unabhängig ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer Nationalität ihre berufliche Qualifikation aus dem Herkunftsland auf Gleichwertigkeit überprüfen lassen.

    Diese Möglichkeit besteht bereits für Asylbewerber während des laufenden Verfahrens. Neben Berufsausbildungsabschlüssen, wie z. B. Schreiner, Krankenschwester, Friseur, können auch im Ausland erworbene Studienabschlüsse anerkannt werden.

    Im sog. Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren überprüft die zuständige Behörde, ob die ausländischen Ausbildungsinhalte mit den Inhalten des vergleichbaren deutschen Ausbildungsberufes äquivalent sind.

    Eine volle berufliche Anerkennung erhält der Antragsteller, wenn keine wesentlichen Unterschiede festgestellt werden. Festgestellte Unterschiede können über entsprechende Nachqualifizierungsmaßnahmen (z. B. Anpassungslehrgang) ausgeglichen werden.

    Nach erfolgreichem Abschluss dieser Nachqualifizierungsmaßnahmen erhält der Antragsteller die volle Gleichwertigkeit.

    Die Website www.anerkennung-in-deutschland.de gibt einen guten Überblick zu beruflichen Anerkennungsmöglichkeiten und dem Verfahrensablauf in den verschiedenen Berufen.

    Mittlerweile gibt es eine Vielzahl kompetenter Beratungsstellen, die Antragsteller kostenlos beraten. Für Berufe, die in die Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammer (IHK)) oder der HWK (Handwerkskammer) fallen, bieten die beiden Institutionen vor Antragstellung eine kostenlose Einstiegsberatung an.

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    Berufe in Zuständigkeit der HWK:

    Handwerkskammer für Schwaben
    Siebentischstraße 52 - 58
    86161 Augsburg
    Tel. 0821/3259-0
    Fax 0821/3259-1271
    E-Mail: info@hwk-schwaben.de
    www.hwk-schwaben.de


    Berufe in Zuständigkeit der IHK:

    IHK Schwaben
    Stettenstraße 1+3
    86150 Augsburg
    Tel. 0821/3162-0 (Zentrale)
    E-Mail: info@schwaben.ihk.de
    www.schwaben.ihk.de


    Die Anerkennungsberatung „Tür an Tür“ in Augsburg bietet Betroffenen eine unabhängige, fachkompetente und kostenlose Erstberatung an. Die Kontaktdaten entnehmen Sie dem beigefügten Flyer.

    Weiterführende Links:

    www.ihk-fosa.de

    www.anabin.de

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    Fallbeispiel:

    Herr I. (33 Jahre) kam 2014 als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. Er hat an der anerkannten privaten Hochschule Arab European University in Ghabaghib, Daraa ein fünfjähriges Studium im Bereich Kommunikations- und Computertechnik erfolgreich mit dem Abschlusstyp Idjaza fi-l-handasa (Bachelor of Engineering) abgeschlossen.

    Herr I. möchte seinen Hochschulabschluss in Deutschland anerkennen lassen, um wieder als Ingenieur arbeiten zu können.

    Hierzu muss Herr I. wissen:

    Sein Ingenieurabschluss gehört in Deutschland zu den landesrechtlich geregelten reglementierten Studienabschlüssen. Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist in Bayern geschützt.

    Damit Herr I. seinen Ingenieurstitel weiterführen kann, muss er ein offizielles Anerkennungsverfahren durchlaufen. Dieses Verfahren nennt man Antrag auf Genehmigung der Berufsbezeichnung Ingenieur.

    In diesem Verfahren wird geprüft, ob die Inhalte des Studiums äquivalent sind mit den Inhalten eines vergleichbaren Ingenieurstudiums in Bayern.

    Die Kosten für das Verfahren belaufen sich derzeit auf 60,00 €. Hinzu kommen die Kosten für die Übersetzung seiner Abschlusszertifikate ins Deutsche durch einen beeidigten Übersetzer.

    Die zuständige Stelle für die Ingenieuranerkennung in Bayern ist:

    Regierung von Schwaben
    Fronhof 10; 86152 Augsburg
    Tel. 0821/327-01 (Zentrale)
    Sachbearbeiterin: Frau Schorrmaier / 2155
    E-Mail: poststelle@reg-schw.bayern.de
    www.regierung.schwaben.bayern.de

    Das Anerkennungsverfahren kann auch ohne die Vorlage entsprechender Sprachnachweise eingeleitet werden. Für die Ausübung des Berufs sollte Herr I. allerdings über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen.

    (Sonder-)Regelungen Asylbewerber:

    Die Überprüfung der ausländischen Berufsqualifikation kann mit ausreichender Begründung auch ohne die Vorlage eines entsprechenden Identitätsnachweises erfolgen. Für die Ausstellung der Berufserlaubnisurkunde muss jedoch ein offizieller Pass oder Passersatz vorgelegt werden.

    Herr I. hat Erfolg. Nach Überprüfung durch die Regierung von Schwaben erhält er nach fünf Monaten seine Berufserlaubnisurkunde als Ingenieur.

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  • Anerkennung von Schulabschlüssen

    Es besteht die Möglichkeit einen im Ausland erworbenen Schulabschluss anerkennen zu lassen. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Betroffene sich beruflich weiterqualifizieren möchte, beispielsweise im Fall einer Berufsausbildung).

    Je nach Art des erworbenen Bildungsabschlusses können ein Haupt- oder Realschulabschluss sowie das Fach-/Abitur anerkannt werden.

    Weitere Informationen erhalten Sie unter:

    www.km.bayern.de/schueler/abschluesse/zeugnisanerkennung.html

    Bei Vorlage entsprechender Nachweise (z. B. Bescheid über Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder Arbeitslogengeld I/II) fallen für die Anerkennung keine Kosten an.

  • Besondere Fördermöglichkeiten für anerkannte Flüchtlinge

    Bereits anerkannte Flüchtlinge, die nicht älter als 30 Jahre alt sind und deren Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht länger als zwei Jahre zurückliegt, können zudem eine Förderung über die Otto-Benecke-Stiftung e. V. beantragen. In Neu-Ulm bietet die IN VIA Bildungsberatung Hochschule einmal im Monat eine kostenlose Beratung für anerkannte Flüchtlinge an.

    Unterstützung erhalten anerkannte Flüchtlinge zu folgenden Themen:

    Hilfe bei Studienbewerbungen, BAföG-Anträgen, Studienkollegwahl, Anmeldung zum Sonderlehrgang zur Erreichung der allgemeinen Hochschulreife, Aufnahme und Zulassung zur Förderung nach dem Garantiefonds-Hochschule (Otto Benecke Stiftung e. V.), Bildungsplanung der Stipendiaten und bei Beratung in Anerkennungsfragen ausländischer Abschlüsse.

    Im Rahmen der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule können Deutschsprachkurse bis C1 gefördert werden.

    Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie unter:

    www.invia-drs.de/schule-und-beruf/jmd-bildungsberatung-stuttgart.html

  • Besondere aufenthaltsrechtliche Regelungen für Asylbewerber in Ausbildung

    § 60 a Abs. 2 AufenthG:

    Die Abschiebung eines Ausländers ist auszusetzen, solange die Abschiebung aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen unmöglich ist und keine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird. Die Abschiebung eines Ausländers ist auch auszusetzen, wenn seine vorübergehende Anwesenheit im Bundesgebiet für ein Strafverfahren wegen eines Verbrechens von der Staatsanwaltschaft oder dem Strafgericht für sachgerecht erachtet wird, weil ohne seine Angaben die Erforschung des Sachverhalts erschwert wäre. Einem Ausländer kann eine Duldung erteilt werden, wenn dringende humanitäre oder persönliche Gründe oder erhebliche öffentliche Interessen seine vorübergehende weitere Anwesenheit im Bundesgebiet erfordern. Eine Duldung wegen dringender persönlicher Gründe im Sinne von Satz 3 ist zu erteilen, wenn der Ausländer eine qualifizierte Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar regegelten Ausbildungsberuf in Deutschland aufnimmt oder aufgenommen hat, die Voraussetzungen nach Absatz 6 nicht vorliegen und konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung nicht bevorstehen. In den Fällen nach Satz 4 wird die Duldung für die im Ausbildungsvertrag bestimmte Dauer der Berufsausbildung erteilt. Eine Duldung nach Satz 4 wird nicht erteilt und eine nach Satz 4 erteilte Duldung erlischt, wenn der Ausländer wegen einer im Bundesgebiet begangenen vorsätzlichen Straftat verurteilt wurde, wobei Geldstrafen von insgesamt bis zu 50 Tagessätzen oder bis zu 90 Tagessätzen wegen Straftaten die nach dem Aufenthaltsgesetz oder dem Asylgesetz nur von Ausländern begangen werden können, grundsätzlich außer Betracht bleiben. Wird die Ausbildung nicht betrieben oder abgebrochen, ist der Ausbildungsbetrieb verpflichtet, dies unverzüglich in der Regel innerhalb einer Woche, der zuständigen Ausländerbehörde schriftlich mitzuteilen. In der Mitteilung sind neben den mitzuteilenden Tatsachen und dem Zeitpunkt ihres Eintritts die Namen, Vornamen und die Staatsangehörigkeit des Ausländers anzugeben. Die nach Satz 4 erteilte Duldung erlischt, wenn die Ausbildung nicht mehr betrieben oder abgebrochen wird. Wird das Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendigt oder abgebrochen, wird dem Ausländer einmalig eine Duldung für sechs Monate zum Zweck der Suche nach einer weiteren Ausbildungsstelle zur Aufnahme einer Berufsausbildung nach Satz 4 erteilt. Eine beruflichen Qualifikation entsprechenden Beschäftigung verlängert, wenn nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung, für die die Duldung erteilt wurde, eine Weiterbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb nicht erfolgt; die zur Arbeitsplatzsuche erteilte Duldung darf für diesen Zweck nicht verlängert werden. § 60 a bleibt im Übrigen unberührt.